In Worten: Zweiundvierzigkommaeinsneunfünf

So viele Kilometer will ich auch in diesem Jahr wieder am Stück laufen – und in wenigen Tagen (in Worten: neunzehn) ist es soweit. Dann stehe ich an einem Sonntag in aller Herrgottsfrühe auf, wenn es noch dunkel ist. Ich schlürfe mit halbgeöffneten Augen in die Küche, setze den Kaffee auf, backe mir Brötchen und schaffe es dabei mal wieder nicht, leise zu sein, sondern klappere mit dem Backblech herum, so dass mein Mann sicher wach wird und jeglicher Versuch, noch leiser zu sein, macht es nur noch schlimmer – nein, lauter.

Ich gähne am laufenden Bande, esse die mit Honig beschmierten Brötchen, obwohl ich gar keinen Hunger habe, aber ich muss was essen, schließlich will ich ja gleich einen Marathon laufen. Dazu trinke ich eine Tasse Kaffee und hoffe, dass sich bald die gewünschte Wirkung zeigt.

Ich werde mehrere Male aus dem Fenster blicken und nicht viel erkennen, denn es ist ja noch dunkel. Also gehe ich auf den Balkon und „fühle“ das Wetter. Ist es kalt, windig, nass? Ich ziehe meine Laufsachen an, die ich bereits am Vorabend rausgelegt habe. Natürlich habe ich viel zu viel rausgelegt: mindestens drei Laufshirts und zwei verschiedene Hosen. Jetzt muss ich mich aber entscheiden.

Nach mehrmaliger Kontrolle meiner Sachen (Startnummer dabei, Laufschuhe an, Uhr um) mache ich mich auf den Weg in die Innenstadt – mit der Bahn, denn Radfahren wäre mir jetzt zu anstrengend. Ich muss meine Kräfte sparen. Ich bin viel zu früh am Ort des Geschehens, aber das ist gut so.

Mit anderen Läufern wird nun philosophiert; über die Strecke, das Wetter, den Gemüts- und Trainingszustand. Kurz vor dem Start kommt dieses kribbelige Gefühl auf, im Magen rumort es, ein ängstlich-freudiges Lächeln zeigt sich im Gesicht. Ich mische mich unter das Läufervolk und gemeinsam warten wir auf den Startschuss. Die letzten fünf Minuten werden mir wie eine Ewigkeit vorkommen, aber dann endlich höre ich den Knall und die Masse setzt sich in Bewegung.

Ich lasse mich treiben, genieße die Stimmung und mache mich auf den Weg… zweiundvierzigkommaeinsneunfünf Kilometer!

10 thoughts on “In Worten: Zweiundvierzigkommaeinsneunfünf

  1. Die Stimmung ist gut, die Vorbereitung und deine Einstellung auch – kann eigentlich nix passieren.

    Viel Glück – Marathon – eine Herausforderung – und eine Riesen Portion Glücksgefühle im Ziel gratis dazu.

  2. Schon neunzehn Tage vor dem Marathon hast du solche Gedanken😮 ! Wie soll das erst fünf Tage davor werden😉 ? Was schreibst du dann?
    Deine Worte lesen sich gut – genau so soll es sein. So wüsche ich es mir auch.
    Du bist gut vorbereitet – das wird ein guter Lauf🙂 !
    lG
    Ralph

  3. Es wird super, liebe Jacqui!
    Die „ersten“ 32 wird es ein Genuss. Die paar, die dann noch kommen, naja, das weißt du ja selbst …
    Mir gehts vor einem derartigen Lauf genauso: Kribbeln pur! Schon Tage vorher!
    Vor lauter Aufregung kommt es vor, dass ich in Tüten atme🙂 Hyperventilation vom Feinsten.
    Selbst jetzt, wenn ich nur an „Deinen Start“ denke, läuft es mir kalt und heiß den Rücken hinunter.
    Ach, ist das schön!
    Du machst das!

    Liebe Grüße, auch an die Mama, Christine

  4. Pingback: Ein besonderer Tag – der erste Lauf! « Wolfgang´s Weg

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