Marathonfinish vertagt

Schon die ersten drei Kilometer waren sehr anstrengend, es war sehr heiß, die Beine fühlten sich schwer an, ich bekam kaum Luft. Da wußte ich bereits, dass dieser Marathon sicher nicht der perfekte Lauf werden würde…

Ich nahm sofort Tempo heraus, war bei Kilometer 10 schon bei einem Schnitt von über 6 Minuten (normalerweise laufe ich eher um die 5:15 min/km). Bei 13 sah ich meinen Trainer und signalisierte ihm, dass es heute „so mal gar nicht“ ging. Mehrere Läufer aus meiner Trainingsgruppe überholten mich, nahmen mich in den Arm, sprachen mir Mut zu.

Der Trainer begleitete mich kurz mit dem Rad und sagte, ich müsse entscheiden, ob ich das jetzt zu Ende Laufe oder nicht. Er fänd es aber überhaupt nicht schlimm, wenn ich aussteige, dann lieber eher, um so noch die Chance auf einen zweiten Versuch in 2-3 Wochen zu haben. Er würde mich bis dahin weiter unterstützen.

Ich beschloss, aus dem Rennen zu gehen. Das war aber nicht so einfach, die Gedanken im Kopf überschlugen sich: das wochenlange Training einerseits, die Möglichkeit, bei einem anderen Marathon nochmal zu laufen andererseits, die jubelnden Zuschauer am Strassenrand…

Irgendwo zwischen Kilometer 19 und 20 ging ich dann von der Strecke, quer durch die Stadt spazierte ich mit meiner Startnummer weiter, deprimiert, den Tränen nah…

Nachdem ich meinen Mann leider nicht am Streckenrand finden konnte (weil er schon vom Trainer auf den neuesten Stand gebrachte wurde und mir entgegenfahren wollte), stieg ich in eine Bahn, um wieder zum Start-Ziel-Bereich zu fahren. Natürlich hatte ich nichts dabei, keinen Schlüssel, kein Geld, kein Ausweis, nichts. Tja, und was passiert mir ausgerechnet noch? Fahrkartenkontrolle!

Mehrere Male versuchte ich dem Kontrolleur zu erklären, dass ich gerade den Marathon abbrechen musste, ich nichts dabei hätte und und und; er hat’s nicht verstanden. Ich bin nun offiziell Schwarzfahrer! Oh man…

Ein Glück traf ich sofort meinen Mann und jetzt flossen erst einmal die Tränen. Aber dann war es auch wieder gut und nachdem ich gesehen habe, wie schlecht einige durch’s Ziel gekommen sind, da es eine einzige Hitzeschlacht war, bin ich ganz froh, aufgehört zu haben.

Ich werde in 2 Wochen in Oldenburg an den Start gehen und hoffen, dass dann wirklich mal Herbst ist!

16 thoughts on “Marathonfinish vertagt

  1. Schade das es nicht geklappt hat, aber beim nächsten Mal da wird es klappen, da wirst Du erfolgreich das Ziel erreichen. Ich drücke Dir für Oldenburg die Daumen.🙂

    Freundliche Grüße
    Bernd

  2. Vernünftige Entscheidung!!! Die Hitze an diesem Wochenende hat mir auch beim „Keep on Running“ ordentlich zu schaffen gemacht.
    In zwei Wochen wünsche ich Dir dann kühlere Temperaturen und einen besseren Lauf. Nicht den Kopf hängen lassen!
    Axel

    • Danke! Bin gar nicht so sehr enttäuscht, sondern gerade wieder hochmotiviert. Es gibt ja genug Möglichkeiten; irgendwo in der Nähe ist immer ein Lauf. Von daher blicke ich nach vorn, Richtung Oldenburg🙂

  3. 😦
    Aber ich find’s echt vernünftig. Bin ja auch nicht so für Hitze zu haben. Das Wetter am Wochenende war für im Schatten sitzen wirklich toll, aber einen Marathon hätte ich definitiv auch nicht laufen wollen (und können). Wünsch dir schon mal viel Erfolg für in zwei Wochen!

    • Vielen Dank! Nachdem ich dann später viel Läufer gesehen habe, die von Sanitätern behandelt wurden (auf der Zielgeraden standen sogar 2 Krankenwagen, die Läufer verarzten mussten), bin ich ganz froh, dass mir sowas erspart geblieben ist. Im Moment ist perfektes Laufwetter…

  4. Sicher die richtige Entscheidung! Das Wetter war einfach gegen dich. So schwer die Entscheidung dir auch gefallen ist, jetzt hast du eine zweite Chance.
    Erhole dich gut!
    Ich drücke die Daumen für Oldenburg.
    lG
    Ralph

  5. So abgedroschen es auch klingen mag, aber so ist es beim Sport jenseits des Hobby-Hopsens leider – und meistens dann, wenn’s drauf ankommt. Nur schade, dass es beim Heimspiel passieren musste😦

    Das schöne ist jedoch, dass das, was man zuvor investiert hat, sich irgendwann auszahlt. Vielleicht in 2 Wochen, vielleicht später🙂

    Kopf hoch, lachen und wieder angreifen🙂 Viel Erfolg in Oldenburg!

    LG André

    PS: Das mit BSAG ist ’ne Frechheit – da würde ich nochmal nachhaken!?

    • Danke dir. Irgendwie ist der Bremer Marathon wohl mein persönliches Waterloo, letztes Jahr schon so einen Einbruch erlebt, dieses Jahr nicht mal bis ins Ziel gekommen. Naja, aber ich weiß ja anhand meiner Trainingsläufe, was ich schaffen kann und ich weiß auch, dass ich einen Marathon finishen kann. Von daher… alles okay. Oldenburg wartet schon auf mich🙂

      Und Gratulation zu deinem tollen 10er!

      Die BSAG hat mich heute angerufen und die Sache „fallen gelassen“. Der Marathon-Veranstalter hat sich für mich eingesetzt. Puh, doch kein Schwarzfahrer🙂

  6. Hey Jacqui,
    meine Anerkennung fürs „Aussteigen“, das ist nach einer guten Vorbereitung schwieriger als sich durch zu beißen. Ich wünsch Dir guten Bedingungen für Oldenburg, knack die Bestzeit!

  7. Hey Jacqui, nicht nur zum Marathon-Laufen gehört eine Menge Mut – auch zum Abbrechen braucht man eine große Portion Mumm. Darum habe ich großen Respekt vor Deiner Entscheidung! Dass in so einer Situation die Tränen kullern, ist völlig in Ordnung. Gut, wenn Du dann jemanden hast, der Dich auffangen kann. Ich habe das vor zwei Wochen erlebt, als Kathi in Berlin leider aussteigen musste, daher weiß ich, wovon ich schreibe.

    Ich drücke Dir die Daumen für Oldenburg. Und wenn es nicht Oldenburg ist, dann auf einer anderen Strecke an einem anderen Datum. Mach Dich bloss nicht verrückt!!!

    • Danke dir, Eddy. Ja, ich kann mir gut vorstellen, wie Kathi sich gefühlt hat, aber nun, mit ein bißchen Abstand, ist alles wieder okay.

      Mal sehen, wie es in Oldenburg wird. Im Moment plagen mich Beinschmerzen, deshalb trainiere ich fast gar nicht mehr seit Freitag…

      Ich wünsche dir schon mal viel Spaß in NY!

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