Hechelkurs, die Erste

Da war er nun, der erste Termin des Geburtsvorbereitungskurses und es war im Prinzip so, wie ich es befürchtet erwartet hatte. Ich kam in einen riesigen Raum, in der Mitte lagen – kreisförmig angeordnet – Yoga-Matten und Stillkissen, es roch nach Tee und Keksen, im Hintergrund hörte man – nun ja – Musik, nein! – eher beruhigende Klänge. Am Rand saßen die schwangeren Kursteilnehmerinnen, bereits mit ausgezogenen Schuhen, und füllten Formulare aus. Ich gesellte mich dazu, versuchte, meine Füße zu finden, mich meiner Schuhe zu entledigen und erledigte dann ebenfalls das Organisatorische.

Und dann ging es auch schon los: die etwa 10 Bald-Mamis verteilten sich auf die Matten und (ich dachte, jetzt kommt eine Vorstellungsrunde, aber nein) die Kursleiterin turnte ein paar Lockerungsübungen vor. Beine schütteln, Hüfte kreisen, Arme lockern, tief ein- und ausatmen und sich und das Baby dabei spüren – öhm ja, kein Problem, Mauli hat eh mitgeturnt! Dann jetzt vielleicht die Vorstellungsrunde? Nicht ganz: zunächst sollten wir uns aus dem in der Mitte aufgebauten Schrein Haufen mit Steinchen und Kärtchen eine Postkarte aussuchen, die zu uns passt. Tjoaaaaa… ich wusste gar nicht, dass man sich mit Postkarten identifizieren kann, aber ich lerne gern dazu. Nachdem also fast alle Postkarten weg waren, griff ich irgendeine. Ich hab nicht mal richtig gesehen, was da drauf war, aber sie sah abstrakt und künstlerisch wertvoll aus – und hatte schöne Farben.

Jetzt kam also endlich die Vorstellungsrunde bei der man neben ein paar Eckdaten auch erklären sollte, warum man sich gerade diese Karte ausgesucht hatte *ggg*. Ich betrachtete also mal meine Karte genauer und stellte fest, dass da irgendwie ein Mond und ein Skorpion drauf waren. Oh jeeee, was soll ich denn dazu sagen? Die anderen Fast- und auch Schon-Mamis erzählten also über sich und ihre Postkarten, über den errechneten Entbindungstermin und die Auswahl des Entbindungsortes. Ich erzählte Ähnliches und erklärte meine Postkarte in etwa so: „Ja, keine Ahnung, die Postkarte war über und sah am Schönsten aus!“ Die Kursleiterin will am Ende des Kurses die Bedeutungen der Karten erklären und was sie mit uns zu tun haben. Ich bin gespannt; eine erste Internetrecherche von mir ergab den Zusammenhang von Mond und Skorpion in der Astrologie. Aber was hat das alles mit mir zu tun…?

Nachdem wir dann in einer weiteren Runde erzählten, was wir von so einem Kurs erwarteten, welche Fragen geklärt werden sollten, welche Beschwerden wir wie (und vor allem mit welchen homöopathischen Mitteln) bekämpfen können und wir ein paar Atemübungen machten, bei denen wir feststellten, dass das Ausatmen und gleichzeitige Summen von „Aaaaaas“ und „Ooooooos“ besser ist als „Iiiiiiiis“, blieb glücklicherweise leider nur noch eine halbe Stunde über. Die Kursleiterin stellte uns vor die Wahl und fragte in die Runde: Rückenmassage oder Fantasiereise? Rückenmassage!!!, dachte ich nur und war davon überzeugt, dass die anderen Kugeligen ebenso meiner Meinung waren, aber denkste: Ich hörte ein „Fantasiereise“ nach dem anderen und ging mit meiner „Rückenmassage“ völlig unter. Sch… Demokratie!

Also machten wir es uns auf den Matten bequem, es wurden (zu) laute, wohltuende Klänge angestellt – Meeresrauschen! Wir sollten uns total lockern, die Augen schließen und uns einen Ort der Entspannung vorstellen, einen Ort, den wir kennen, wo wir uns ganz und gar fallen lassen können. Tief ein- und ausatmen, ruhig, ganz langsam… schnarch, fast wäre ich eingeschlafen, wenn da nicht dieses störende Wellengeräusch gewesen wäre. Als es vorbei war, fragte die Kursmutti, an welchem Ort wir waren. Die meisten waren am Strand oder auf einem Berg, ich war auf dem Sofa, im Fernseher lief wahrscheinlich irgendeine Reportage über Strand oder Urlaub oder so, vielleicht auch „The Beach„.

Auf die Frage, was wir heute mit nach Hause mitnehmen würden, antworteten viele, dass sie die „Aaaaas“ und „Ooooos“ jetzt auch mal zu Hause üben werden, mit dem Partner zusammen. Innerlich musste ich grinsen und antwortete dann selber in etwa so: „Ich werde meinem Mann erzählen, was ich hier heute so gemacht habe und wir werden uns sicher köstlich amüsieren.“ Die Kursleiterin antwortete sofort: „Ja, man muss auch mal lachen können, es ist doch schön, mit dem Partner zusammen zu lachen, gerade bei der Geburt wird dann Einiges einfacher.“ Vielleicht sollte ich im Kreißsaal ein Witzeheft lesen oder einfach nur an diesen Kurs zurückdenken… wer weiß.

Wie man merkt, habe ich mich noch nicht so ganz auf dieses Esoterische eingelassen, aber ich bin auch nicht der Typ dafür. Ich will hier aber niemanden verurteilen, der das gern tut und dem solche Entspannungsübungen gefallen und helfen. Ich finde es momentan einfach nur komisch und muss mich bei sowas immer fremdschämen. Vielleicht wird’s ja noch besser. In der nächsten Woche soll es dann viel theoretischer werden; die Phasen der Geburt werden erläutert. Das könnte doch interessant werden… In diesem Sinne: oooommmmm!

9 thoughts on “Hechelkurs, die Erste

  1. Hihi🙂
    Jacqui, ich wusste gar nicht, was für Abgründe in dir stecken – und das alles nur wegen einer schnöden Postkarte!

    Ich finde Esotherik ja sogar spannend – aber so, wie sie mir bis jetzt begegnet ist, auch eher lächerlich und komisch.
    Finde aber gut, dass die Kursleiterin (die vermutlich ja schon sehr esotherisch ist, wenn sie einen solchen Kus leitet), auch deine Antwort akzeptiert und dich ja sogar bestärkt (zusammen lachen ist gut und so).

    Ich frage mich aber ernsthaft, ob vielleicht irgendwer die Marktlücke genutzt hat und einen nicht-esotherischen Geburtsvorbereitungskurs anbietet und wenn ja – wann und wo?

    • Ja, vielleicht war ich auch einfach nur genervt an diesem Tag, und deswegen so „aggro“🙂 Naja, auf jeden Fall soll es diese Woche theoretischer werden, ich denke das ist ein gutes Zeichen🙂

      • Falls das falsch rüberkam: Ich hatte das von dir Verlinkte gelesen mit dem Skorpion im Mond (leidenschaftlich und so, war das nicht so?) und meinte das🙂

  2. Ich glaube, ich war im selben Kurs…. Yoga-Matten, Stillkissen, Tee, Postkarten (ich habe auch die Postkarte genommen, die noch übrig war und die auf den ersten Blick die schönsten Farben hatte), Traumreise (ich wollte auch lieber die Rückenmassage) usw. kommt mir alles sehr bekannt vor🙂

  3. Oha… da wäre mein Kurs wohl auch eher was für dich gewesen. Da gab’s die Vorstellungsrunde am Anfang, bei den Erwartungen an den Kurs haben Jochen und ich getrennt gewünscht, es möge nicht zu esoterisch werden (war’s dann auch nicht), und wir haben uns erfreulich oft gegenseitig massiert (war ja ein Kurs mit Partner), auch schon in der ersten Stunde. Und es wurde nicht gehechelt – zum Glück!

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